Kunststoffe sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, ob in Verpackungen, Kleidung oder technischen Geräten. Richtig eingesetzt und recycelt, können sie sogar zur Ressourcenschonung beitragen. Genau hier setzt die sogenannte erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) an: Hersteller:innen und Händler:innen sind zunehmend verpflichtet, Verantwortung für ihre Verpackungen zu übernehmen, von der Produktion bis zur Entsorgung. Was auf EU-Ebene als Gesetz gilt, betrifft auch Unternehmen in Bulgarien ganz konkret. 

Die Faktenlage in Bulgarien: Zwischen Statistik und Realität

Einerseits gibt es klare gesetzliche Vorgaben zur erweiterten Herstellerverantwortung (EPR), die sich an den EU-Richtlinien orientieren, andererseits zeigen offizielle Statistiken zur Sammel- und Recyclingquote teilweise ein Bild, das in der Praxis oft hinterfragt wird. In Bulgarien funktioniert die Sammlung von Verpackungsabfällen in Städten vergleichsweise gut, während sie in ländlichen Gegenden deutlich weniger ausgebaut ist. Kunststoff- und Metallverpackungen landen häufig zusammen mit Restmüll, was die sortenreine Trennung und das Recycling erschwert. Ein Rücknahmesystem für Einwegflaschen und -dosen gibt es bislang nicht, entsprechend gering ist hier die Rücklaufquote.

Offizielle Zahlen vs. lokale Wirklichkeit

Die bulgarischen Recyclingzahlen lassen auf den ersten Blick hoffen: Laut Eurostat wurden 2019 rund 60 % der Kunststoffverpackungen recycelt. Bulgarien liegt damit europaweit auf Platz drei beim Kunststoffrecycling, hinter Litauen und Tschechien.

Doch NGOs wie Zero Waste Europe und Za Zamiata schlagen Alarm: Ihre Recherchen zeigen, dass diese Zahlen massiv geschönt sein könnten. Die lokalen Behörden melden zum Teil Recyclingquoten von unter 10 % bei einigen Gemeinden sogar 0 %. Das ist ein klares Indiz für unvollständige Datenerhebung und mangelnde Kontrolle.

Wie funktioniert das Plastikrecycling in Bulgarien?

Ein großer Teil der in Umlauf gebrachten Kunststoffe wird heute entweder werkstofflich recycelt oder der sogenannten thermischen Verwertung zugeführt, also zur Energiegewinnung verbrannt. Beide Wege sind Teil des aktuellen Abfallwirtschaftssystems, das auf möglichst effiziente Nutzung von Ressourcen abzielt. Für viele Kunststoffarten fehlen derzeit noch geeignete Recyclingströme, sodass die thermische Verwertung eine notwendige Übergangslösung darstellt. Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen ihre EPR-Pflichten ernst nehmen: Wer seine Verpackungsmengen korrekt lizenziert und dokumentiert, leistet einen aktiven Beitrag zur Weiterentwicklung einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft.

Es gibt sechs Hauptarten von Plastik, darunter Polyethylen (PE), Polypropylen (PP) und Polystyrol (PS). Nicht alle lassen sich gleich gut recyceln. Mehrschichtverpackungen oder dunkle Kunststoffe gelten als schwer oder gar nicht recycelbar.

Die Stationen des Recyclings in Bulgarien:

  1. Getrennte Sammlung: Plastik kommt in die gelben Container
  2. Sortierung: In spezialisierten Anlagen wird Kunststoff nach Sorten (z. B. PET, PE, PP) getrennt.
  3. Reinigung: Verunreinigte Verpackungen müssen gewaschen werden, je sauberer der Input, desto hochwertiger das Rezyklat.
  4. Verarbeitung: Der gereinigte Kunststoff wird zerkleinert, eingeschmolzen und zu Granulat verarbeitet.
  5. Wiederverwendung: Daraus entstehen neue Produkte, etwa Rohre, Verpackungen, Textilien oder Baustoffe.

Welche EPR-Pflichten gibt es in Bulgarien?

Unternehmen, die Verpackungen in Bulgarien in Verkehr bringen, müssen sich registrieren und sind zur Kostenübernahme der Entsorgung verpflichtet. 

Unternehmen, die Verpackungen in Bulgarien in Verkehr bringen, sind gesetzlich verpflichtet, sich bei den zuständigen Behörden (ExEA) zu registrieren und die Entsorgungs- sowie Recyclingkosten zu übernehmen. Diese Verantwortung ist durch die EPR geregelt, die darauf abzielt, den gesamten Lebenszyklus von Verpackungen nachhaltiger zu gestalten. Neben der finanziellen Beteiligung an der Abfallbewirtschaftung gilt für bestimmte Verpackungen zudem eine Kennzeichnungspflicht. 

Pflichten wie die Organisation der Sammlung, das Einreichen von Berichten an Behörden sowie die Durchführung von Informationsmaßnahmen dürfen auf ein zugelassenes Rücknahmesystem (Verwertungsorganisation) übertragen werden. Hersteller erfüllen ihre Verpflichtungen in der Regel durch die Meldung der Verpackungsmengen und die Übernahme der entsprechenden Entsorgungskosten.

Unabhängig davon bleiben sie dafür verantwortlich, Verpackungen möglichst umweltfreundlich zu gestalten – das heißt, gefährliche Inhaltsstoffe zu reduzieren, die vorgeschriebenen Konformitätserklärungen bereitzustellen und die Verpackungen mit eindeutigen Entsorgungshinweisen zu kennzeichnen.

EPR-Verpackungskennzeichnungspflicht

Am 8. Januar 2021 hat Bulgarien seine Verpackungsverordnung überarbeitet, mit dem Ziel, die getrennte Erfassung von Verpackungsabfällen für Verbraucher:innen zu vereinfachen.

Besonders relevant ist dies auch für ausländische Händler:innen, die direkt an Endkund:innen in Bulgarien liefern. In Bulgarien besteht seit 2022 die Pflicht zur Kennzeichnung von Verpackungen mit dem Möbiuskreis und einem alphanumerischen Code entsprechend der Fraktion. Die Nutzung des sogenannten Tidyman-Symbols ist optional. Die Kennzeichnung muss direkt auf der Verpackung angebracht werden.

Neue Maßnahmen gegen Einwegplastik in Bulgarien

Waste Management Act (WMA)

Die bulgarische Verordnung zur Verringerung der Umweltauswirkungen bestimmter Kunststoffprodukte setzt die EU-Richtlinie 2019/904 in nationales Recht um. Ziel ist es, die Belastung der Umwelt durch Einwegkunststoffe deutlich zu verringern durch ein Bündel an Maßnahmen, die sich an Hersteller: innen, Importeur:innen und Händler:innen richten. Einige Vorgaben sind bereits in Kraft, andere treten gestaffelt in den kommenden Jahren in Kraft.

Ein zentrales Element ist das Verbot bestimmter Einwegprodukte wie Wattestäbchen, Einwegbesteck, Teller, Trinkhalme, sehr dünne Plastiktüten (<25 Mikron) und Produkte aus oxo-abbaubarem Kunststoff. Ergänzend dazu gelten neue Kennzeichnungspflichten: Produzent:innen, Importeur:innen und Händler:innen müssen bestimmte Hygiene- und Tabakwaren mit Hinweisen zur richtigen Entsorgung und den Umweltauswirkungen bei unsachgemäßem Umgang sichtbar und dauerhaft kennzeichnen.

Seit dem 1. Januar 2023 sind zudem Lebensmittelhersteller:innen und -verkäufer:innen verpflichtet, Maßnahmen zur Verbrauchsreduktion einzuführen, etwa durch Hinweisschilder mit Umweltinformationen und Preisangaben zu Einwegplastik. Diese Produkte sind zusätzlich mit einem Aufpreis belegt, der schrittweise erhöht wird.

Seit dem 3. Juli 2024 gilt ebenfalls eine weitere Neuerung: Kunststoffgetränkeflaschen bis drei Liter dürfen nur noch verkauft werden, wenn ihre Deckel fest mit dem Behälter verbunden sind – eine Maßnahme zur Reduzierung von Plastikmüll in der Natur.

Unternehmen, die bestimmte Kunststoffprodukte wie Lebensmittelverpackungen bis drei Liter oder leichte Plastiktüten (<50 Mikron) auf den Markt bringen, müssen sich im öffentlichen Register der Umweltbehörde (ExEA) eintragen lassen. Zusätzlich greifen Maßnahmen der erweiterten Herstellerverantwortung, etwa in Form von Aufklärungspflichten, Gebührenzahlungen und Konsumlenkung.

Plastiksteuer in Bulgarien 2025

In Bulgarien wird 2025 eine Produktgebühr auf Kunststoffverpackungen und bestimmte Einwegkunststoffe erhoben. Die gesetzliche Grundlage bildet die Verordnung zur Erhebung von Produktgebühren sowie die Verordnung zur Reduzierung der Umweltauswirkungen durch bestimmte Kunststoffprodukte. Ziel ist es, die Herstellerverantwortung zu stärken und das Recycling zu fördern.

Unternehmen, die Kunststoffverpackungen oder bestimmte Einwegkunststoffe in Bulgarien in Verkehr bringen, müssen eine Gebühr in Höhe von 2,33 BGN pro Kilogramm (ca. 1,20 EUR) entrichten. Für Einwegkunststoffe wie Becher, Behälter, Plastiktüten, Feuchttücher oder Filterprodukte ist zusätzlich eine separate Gebühr geplant. Diese soll laut Entwurf 0,25 BGN pro Kilogramm betragen.

Nicht alle Kunststoffprodukte unterliegen der Abgabe. Bestimmte Plastiktüten sind von der Gebühr befreit, zum Beispiel:

  • sehr dünne Beutel ohne Griff,
  • biologisch abbaubare Tragetaschen gemäß EN 13432,
  • Plastiktüten mit bestimmten Umweltkennzeichnungen.

Dennoch müssen selbst diese Beutel mit Ausnahme der sehr dünnen, grifflosen Varianten gegen Entgelt an Verbraucher ausgegeben werden.

Zur Zahlung der Plastikabgabe verpflichtet sind alle Unternehmen, die entsprechende Produkte auf den Markt bringen, ohne gesetzliche Recyclingziele zu erfüllen. Auch Sammelsysteme, die ihren Verpflichtungen nicht nachkommen oder Mengen falsch melden, haften. Zudem sind Hersteller von Einwegkunststoffen im Rahmen ihrer erweiterten Produzentenverantwortung betroffen.

Was die Pflichten zur Berichterstattung angeht, so müssen Unternehmen monatlich die Menge der in Verkehr gebrachten Verpackungen melden jeweils bis spätestens 15 Tage nach Monatsende. Zusätzlich gilt für Einwegkunststoffe eine jährliche Berichtspflicht.

Herausforderungen und Chancen im bulgarischen Recycling

Sortierung und Recycling sind in Bulgarien eng miteinander verknüpft und bilden eine zentrale Säule der Kreislaufwirtschaft. In städtischen Regionen kommen bereits moderne Sortier- und Verwertungssysteme zum Einsatz, während in ländlichen Gebieten weiterhin Optimierungsbedarf besteht. Die präzise Trennung von Materialströmen, etwa Kunststoffen, Metallen oder Verbundstoffen, ist entscheidend für die Qualität der recycelten Rohstoffe.

Das Recycling von Glas und PET-Flaschen funktioniert zuverlässig, bei anderen Kunststoffarten befindet sich die Infrastruktur jedoch vielerorts noch im Aufbau. Das mechanische Recycling stößt insbesondere bei komplexeren Materialien an seine Grenzen. Investitionen in moderne Technologien, funktionierende Rücknahmesysteme und eine konsequente Umsetzung der erweiterten Produzentenverantwortung (EPR) sind daher essenziell.

Chancen für Wirtschaft und Umwelt

Kunststoffrecycling bietet ökologische und wirtschaftliche Chancen: Es reduziert CO₂-Emissionen, spart fossile Ressourcen und schafft Arbeitsplätze. Unternehmen, die ihre EPR-Pflichten erfüllen, leisten einen aktiven Beitrag zur Ressourcenschonung und profitieren von effizienteren Prozessen und einem positiven Markenimage.

Strukturelle Herausforderungen überwinden

Dennoch gibt es strukturelle Herausforderungen: Ein funktionierendes Pfandsystem fehlt bislang, und viele Recovery Organisations (PROs) agieren ohne unabhängige Kontrolle. Auch Transparenz bei Recyclingquoten sowie eine konsequente Umsetzung gesetzlicher Vorgaben bleiben ausbaufähig. In vielen Regionen mangelt es zudem an grundlegender Infrastruktur wie Wertstoffhöfen, die eine zentrale Rolle in der kommunalen Abfalltrennung spielen.

Neben technischer Infrastruktur braucht es ein gesellschaftliches Umdenken: Aufklärung und Sensibilisierung, besonders in Schulen und Gemeinden, sind zentrale Erfolgsfaktoren. Nur durch abgestimmtes Handeln auf allen Ebenen kann Bulgarien die Potenziale einer echten Kreislaufwirtschaft nutzen.

Schon Pflichten in der EU gecheckt?

Fazit: Mehr Verantwortung für uns alle

Plastikrecycling in Bulgarien ist kein hoffnungsloser Fall, aber ein komplexes System mit Verbesserungspotenzial. Um stabile Recyclingquoten zu erreichen, braucht es Investitionen in moderne Sortier- und Recyclingtechnologien sowie die Einführung eines funktionierenden Pfandsystems.

Ein zentraler Hebel ist die EPR: Unternehmen müssen sich registrieren, Verpackungen kennzeichnen und Verantwortung für eine fachgerechte Sammlung, Sortierung und Entsorgung bzw. das Recycling ihrer Produkte und Verpackungen übernehmen. Nur wenn alle Beteiligten ihren Beitrag leisten, kann das System langfristig funktionieren.

Klare gesetzliche Vorgaben, deren Durchsetzung und mehr Bewusstsein bei Bürger:innen und Unternehmen sind ebenso entscheidend. Denn Recycling beginnt nicht erst in der Anlage, sondern bei uns zu Hause, mit informierten Entscheidungen und verantwortungsvollem Handeln.

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